Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=942186

Geschichte und Geschichten im Centrum
Von Sabine Bachert

Handel. Das silberfarbene Warenhaus soll abgerissen werden. Ein Neubau rückt an die historische Straßenbreite heran.

Mit 16 Jahren hat Ingrid Zeiler ihre Lehre als Kosmetikfachverkäuferin abgeschlossen. Ihr erster Arbeitsplatz war das Centrum-Warenhaus am Dresdner Altmarkt. Ab 1976 gehörte sie zum Aufbaustab für ein ganz neues Warenhaus an der Prager Straße – das Centrum mit der silberfarben leuchtenden Fassade.

Die lang gestreckte Hochhauszeile ist schon bewohnt, die drei Touristenhotels und das „Newa“ gegenüber des Hauptbahnhofes stehen. Seit Oktober 1972 lädt das Rundkino ein. Bereits 1968 entstehen die Pläne für einen Einkaufs tempel mit riesigen Schaufenstern, 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf drei Etagen. Ungarische Architekten können sich an dem Vorhaben verwirklichen. Und so setzt sich in gewisser Weise fort, was Dresdens Baugeschichte seit Jahrhunderten ausmacht – ausländische Architekten und Bauleute können in der Elbmetropole ihr Können beweisen.

Am 31. März 1970 wird der Grundstein gelegt für das Haus mit dem „C“ an den Frontseiten. Ende April 1975 setzen Bauleute die Richtkrone auf den 23 Meter hohen Rohbau. So steht es in der Chronik des Hauses, anderen Berichten zufolge ist es 25 Meter hoch. Doch das ist wohl damals unerheblich. Bedeutender ist, was sich darunter tut. Heizungs- und Klimaanlagen, moderne Warenumschlagsmöglichkeiten stellen „hohe Anforderungen an das Wissen und Können sowie die Einsatzbereitschaft aller am Bau beteiligten“, heißt es in der Tagespresse. Am Ende verteilen Stadt und DDR-Regierung Orden und Auszeichnungen an die Beteiligten.

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum drittgrößten Neubau eines Centrum-Warenhauses ist im Oktober und November 1977 die Fertigstellung der Aluminiumfassade. Am 4. Oktober 1978 ist es dann soweit, der amtierende Minister für Handel und Versorgung der DDR, Helmut Danz, durchschneidet das Band. Ingrid Zeiler wechselt danach vom Aufbaustab in den technischen Bereich des Hauses. Heute leitet sie das Karstadt-Reisebüro im ganz neuen Haus auf der anderen Seite der Prager Straße. Sie gehört damit zu den fast 70 heutigen Mitarbeitern, die von Anfang an im „Centrum“ beschäftigt waren.

Das Centrum an der Prager Straße soll nun weichen, Neues entstehen. „Wann genau gebaut wird, wissen wir nicht“, sagt Karstadt-Chef Wolfgang Wirz, zu dem das ehemalige Centrum gehört. „Doch wir wollen das und die Stadt will, dass gebaut wird.“ Ein Erhalt des Hauses als Hülle sei nicht möglich, so Wirz. Der Neubau soll wieder die Straßenflucht nachempfinden, wie sie bis 1945 existierte. Geplant ist wie an der Seestraße, auf der Prager die historische Straßenbreite von 18 Metern wieder herzustellen.