28.6.2004
EIN HERZ FÜR STRASSENFLUCHTEN
von Jürgen Tietz
Altlast oder Modellfall. Die Meinungen über die Prager Straße in Dresden sind kontrovers. Ein Sammelband, der über die Sächsische Akademie der Künste zu beziehen ist (Architektur der Nachkriegsmoderne in Dresden 7,50 Euro) spürt der Bedeutung der Straße nach. Als kürzeste Verbindung von Stadtkern und Hauptbahnhof war die Prager Straße bis zu ihrer Zerstörung 1945 von gründerzeitlichen Geschäfts- und Wohnhäusern flankiert. Eine Nutzung, die auch im Wiederaufbau der Sechzigerjahre aufgenommen wurde: Niedrige Geschäftshäuser werden von Wohnhochhäusern und Hotels flankiert. Als Zentrum des modernen Dresdens wird sie in einem Atemzug mit städtebaulichen Meilensteinen wie der Lijnbaan in Rotterdam genannt.
Eine „sorgsame Patenschaft" wie sie der Architekturhistoriker Werner Durth anmahnt, ist in Dresden jedoch nicht zu bemerken. Stattdessen hat sie ihre Funktion als zentrale Einkaufsmeile verloren; die Sanierung des lang gestreckten Wohnriegels steht an. Zudem haben die Eingriffe der letzten Jahre das Erscheinungsbild eher verschlechtert. Trotz dieser Schwierigkeiten fordert der Architekt Stephan Braunfels, dass die Stadt Dresden nicht ihre Planungshoheit zugunsten von Investoren aufgibt. Denn noch besteht die Möglichkeit „zur Weiterentwicklung des faszinierenden modernen Konzepts" Prager Straße, so der Architekturhistoriker Thomas Topfstedt. Sie muss nur gewollt werden."
Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne in Dresden. Herausgegeben von der Sächsischen Akademie der Künste. Redaktion: Dr. Klaus Michael, Dresden 2005, ISBN 3-034367-11-9, Ladenpreis: 7,50 Euro.
(zitiert nach Sächsische Akademie der Künste; Quelle: http://www.sadk.de/nachkriegsmoderne.html )