SITUATION.

In Dresden wird derzeit ein wichtiger Teil des Stadtensembles Prager Straße abgerissen. Das ehemalige Centrum Warenhaus und der benachbarte Kubus (ehemaliges Restaurant „International“) müssen nach den Plänen von Stadt und Investor einem neuen Einkaufs- und Vergnügungszentrum weichen, welches ca. doppelt so viel Verkaufsfläche wie die quasi benachbarte Altmarktgalerie haben soll. Das Vorhaben wird durch die deutsche Niederlassung des holländischen Projektentwicklers „Multi Development“ realisiert werden. Die „Karstadt Immobilien AG & Co. KG“, welche beide Gebäude bisher für Verkaufsflächen nutzte, hat diese an den neuen Investor verkauft.

Die einst sozialistische Vorzeige-Flaniermeile Prager Straße, ein international beachteter Stadtraum von hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität, hat in den Jahren nach 1990 schon viele Überprägungen erfahren. Viele Details des ursprünglichen Entwurfs sind bereits nicht mehr erlebbar - umbaut, umgebaut oder abgerissen. Schritt für Schritt wird so dieses gebaute Zeugnis der ostdeutschen Nachkriegsmoderne unsichtbar gemacht und eine sehr eigenständige Architekturepoche aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis gelöscht.

Mit dem Abriss des "Silberwürfels" und des benachbarten Restaurantgebäudes, aber auch mit der Umsetzung der im „Planungsleitbild Innenstadt“ von 1994 vorgesehenen Verengung des Boulevards auf die "historische" Breite von 18 m wird einer der wenigen funktionierenden Stadträume in Dresdens Zentrum zerstört und auf eine reine Transitgasse von Kaufhaustür zu Kaufhaustür reduziert. Kulturhistorisch wertvolle und architektonisch einzigartige Baukörper und de-facto-Denkmale weichen einem weiteren zeitgenössischen, städtebaulich fragwürdigen Handelskomplex. Schließlich wird mit der voraussichtlichen Fällung der meisten Platanen auch die letzte Schatten spendende Grün-Oase der Prager Straße vernichtet.

 

HINTERGRUND.

Für weiterführende Informationen zu Prager Straße und ehemaligem Centrum Warenhaus klicken Sie bitte die folgenden Links an. Sie werden dann auf Inhalte der Webpräsenz

www.das-neue-dresden.de

weitergeleitet. Diese Seite wurde von Thomas Kantschew, einem Unterstützer der AG Centrum Warenhaus, erstellt. Sie informiert über eine Vielzahl von wichtigen Dresdner Gebäuden und städtebaulichen Ensembles des 20. und 21. Jahrhunderts.

 

>>>   Informationen zum Centrum Warenhaus.

>>>   Informationen zur Prager Straße.

 

ZIELE.

Die Arbeitsgemeinschaft Centrum Warenhaus ist ein Zusammenschluss von Bürgern, Bürgerinitiativen, Politikern sowie Experten aus Architektur, Stadtentwicklung, Denkmalschutz, Soziologie und weiteren Fachrichtungen. Unser Anliegen war es von Anfang an, den geplanten Totalabriss zu verhindern und eine Integration zumindest von markanten Teilen des Bestandes in die Neuplanungen zu erwirken. Mit dem ursprünglichen Versprechen des Investors, große Teile der orignialen Fassadenelemente ("Waben") in den Neubau zu integrieren, war zumindest ein Teil unserer Forderungen erfüllt. Nachdem nun bekannt wurde, dass dieser Plan wegen zu großem Aufwandes fallengelassen wird, darf die Dresdner Öffentlichkeit mehr als gespannt sein, in welcher Art und Weise die verschrotteten Fassadenelemente nun im Neubau repräsentiert werden sollen. Ein originalgetreuer Nachbau wird es definitiv nicht sein, denn weil die alten Waben aus 6 Einzelelementen bestanden, wäre auch hier der Aufwand zu groß.

Es ging uns ausdrücklich nie um die generelle Verhinderung eines neuen Einkaufszentrums in der Dresdner Innenstadt. Im Gegenteil, jede maßvolle Einrichtung, sofern sie mit qualitativ hochwertigen Nutzungen Publikum ins Stadtzentrum zieht und somit für Belebung sorgt, ist gut und wichtig für eine nachhaltige Stadt. Den Einkaufszentren an den Stadträndern kann nur durch neue, attraktive Angebote im Zentrum etwas entgegen gehalten werden.

Es geht uns vielmehr darum, bei den Verantwortlichen (Stadt, Investoren) Sensibilität dafür zu schaffen, dass auch Architektur aus einer vergangenen Epoche, die ausnahmsweise einmal nicht Barock heißt, ihre Daseinsberechtigung hat. Diese Architektur ist keine hässliche Altlast, welche nur durch Abriss entschärft werden kann, sondern sie verdient es, diskutiert, beachtet und mit Respekt behandelt und in neue Planungen einbezogen zu werden.

Mit seiner weithin berühmten Fassade aus aluminiumbeschichteten "Waben" stand das Centrum Warenhaus in der ersten Reihe einer Vielzahl von qualitätvollen Kaufhausbauten in Deutschland. Gemeinsam mit dem benachbarten Gebäude, ehemals Restaurant "International" und zuletzt Schuhdiscount, bildete es einst den glanzvollen Abschluss des international geachteten Ensembles Prager Straße. Und im Zusammenspiel mit den gegenüberliegenden Bauten aus den neunziger Jahren stand es für einen lebendigen Stadtraum, der von vielen Dresdnerinnen und Dresdnern tagtäglich genutzt wurde. Das Centrum Warenhaus gehörte zu Dresden.

ARGUMENTE.

Die AGCW möchte mit ihren Aktivitäten auch während der Abriss- und Neubauphase eine öffentliche Diskussion über das Vorhaben anregen. Hier finden Sie eine Reihe von Argumenten, die unsere Position darstellen. Beachten Sie bitte außerdem auch die Stellungnahme der Sächsischen Akademie der Künste sowie der Kunstkommission Dresden zu den Vorgängen an der Prager Straße. Weitere Stellungnahmen verschiedener Fachleute finden Sie in der Rubrik "Statements".

Argumente gegen das Abriss-Vorhaben an der Prager Straße:
  • Das ehemalige CENTRUM Warenhaus war denkmalschutzwürdig (auch wenn der Denkmalschutz-Status stets verweigert wurde). Das CENTRUM Warenhaus war ein herausragendes Zeugnis Architektur der 60er und 70er Jahre bzw. der Nachkriegsmoderne und hätte deshalb erhalten werden müssen.
  • Das CENTRUM war knapp 30 Jahre lang eins der markantesten Gebäude Dresdens und damit identitätsstiftend - es sollte also nicht durch austauschbare Investorenarchitektur ersetzt werden. Dresden braucht neben der Frauenkirche noch andere Gebäude mit Wieder-Erkennungswert!
  • Das CENTRUM Warenhaus war wichtiges Bauzeugnis der DDR-Zeit. Auch diese Zeitschicht sollte weiterhin im Stadtbild von Dresden erkennbar sein, und zwar auch und gerade anhand besonderer Solitärgebäude der Innenstadt wie Centrum, Kulturpalast oder Rundkino!
  • Das Warenhaus und das benachbarte frühere Restaurantgebäude „International“ waren wichtige Bestandteile des städtebaulichen Ensembles Prager Straße, welches in Fachkreisen inzwischen als herausragende und international bedeutsame Raumschöpfung eingestuft wird. Mit dem Abriss wird dem Ensemble ein weiterer, schwerer Schlag zugefügt; in Zusammenhang mit den seit der Wende vollzogenen Eingriffen (quer im weg stehender Neubau am Südende, Totsanierung durch einheitlichen, grauen Allerwelts-Granitbelag; Demontage der Brunnen und Reduktion auf kläglichen Rest; Entfernung der Grünflächen und Hochbeete; "Modernisierung" des ehemaligen Restaurantwürfels "Bastei" am Südende; Bebauung der ehemaligen Touristengärten zwischen den Hotels; Demontage der Laubengänge um Breuninger und Schlemmerland herum usw. ...) trägt der Abriss zum endgültigen Verschwinden des ursprünglichen Stadtentwurfs "Prager Straße" bei
  • Die futuristisch anmutende Fassade des CENTRUM Warenhauses wies eine ausdrucksstarke künstlerische Gestaltung auf. Es sollte vermieden werden, dass die entstehende Neubebauung eine ähnlich gesichtslose Fassadengestaltung haben wird, wie die bereits vorhandenen Nachwendegebäude der Prager Straße.
  • Der öffentliche und von den Dresdnern sehr gut angenommene Platz vor dem ehemaligen CENTRUM Warenhaus und die meisten der dort stehenden mehr als 25 Jahre alten Platanen gehen verloren.
  • Durch eine Verengung der Prager Straße auf 18 m wird aus dem heutigen, platzartigen Bereich der Fußgängerzone mit vielen Verweilmöglichkeiten eine zugige Transit-Gasse werden.
  • Die Verengung der Prager Straße durch das neue Einkaufzentrum wird zum „Nadelöhr“ für die Fußgängerzone werden und sie in zwei Bereiche (Prager Straße und Altmarkt) teilen. Die großzügige Achse Hauptbahnhof – Altstadt wird zerstört.
  • Die Rückkehr zur "historischen Breite" von 18 m ist historisch nicht begründbar, da die Prager Straße der 60er und 70er Jahre ein völlig neuer Entwurf auf eingeebneter Stadtfläche war, der heute keinerlei Markierungspunkte der Vorkriegsbebauung mehr enthält; Zudem basiert die Idee der erneuten Verengung auf einem Konzept von 1994 - eine Zeit, in der einerseits noch große (Planungs-)Euphorie herrschte und der Flächenbedarf für Investitionen in der Innenstadt maßlos überschätzt wurde, und andererseits die DDR-Architektur noch bei weitem nicht so anerkannt war wie heute
  • Das neue Einkaufzentrum wird die Passantenströme in den privat-öffentlichen, mit Hausrecht belegten Innenraum verlagern - damit wird die Belebung des Öffentlichen Raums reduziert; bestimmte, zu einer Stadt gehörende Nutzungen des Straßenraums werden ausgegrenzt
  • Das Foyer des geplanten Einkaufszentrums wird ein Privatraum werden und nach der Öffnungszeit der Geschäfte geschlossen sein. Es kann kein Ersatz für den vorhandenen öffentlichen Platz vor dem CENTRUM Warenhaus sein, den Jeder zu jeder Zeit besuchen und nutzen kann.
  • Durch das Ausmaß der geplanten Bebauung wird anderen, brachliegenden Standorten in der Innenstadt jegliche Chance auf eine baldige Entwicklung entzogen, vermutlich auf viele Jahre hinaus (siehe Interview mit TLG-Chef)

Die Liste ist sicherlich keineswegs vollständig.

 

zurückliegende AKTIONEN (Auswahl)

:: Online-Umfrage

3 Monate lang war unsere Umfrage auf der Webseite erreichbar - bei jedem Seitenaufruf öffnete sich ein kleines Fenster, in welchem folgende Frage festellt wurde:
"Sind Sie für den Erhalt zumindest der Fassade des ehemaligen Centrum Warenhauses Dresden?"
Es haben sich 3059 Menschen an der Abstimmung beteiligt, davon haben sich 2404 für den Erhalt der Fassade ausgesprochen - eine Quote von 78,59%! Wir wissen, dass diese Zahl nicht unbedingt repräsentativ ist, da sich naturgemäß mehr Befürworter als Gegner auf unsere Webseite verirren werden. Und dennoch ist die hohe "Wahlbeteiligung" sehr überwältigend!

:: Info-Teams auf der Prager Straße

Bis 14.12. haben wir versucht, an jedem Geschäftstag für einige Stunden auf der Prager Straße "vor Ort" zu sein, um die Passanten auf das Vorhaben aufmerksam zu machen und zu informieren, wie man als Bürger seine Einwendungen dem Stadtplanungsamt mitteilen kann. Dazu verteilten wir ein Informationsblatt, einen Musterbrief und eine Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft, welche Gründe gegen das Bauvorhaben in seiner derzeitigen Plaung sprechen.

:: Gratis-Postkarten

Während der Phase der öffentlichen Auslegung des Bebaungsplanes wurden knapp 3.000 Gratis-Postkarten in der Stadt verteilt. Die Postkarte zeigt vorn eine poppige Montage mit Bildern von Kaufhaus und benachbartem Block, und auf der Rückseite gibt es ein paar Informationen zum Vorhaben und zu Möglichkeiten der Mitsprache. Beginn der Aktion war am 22.11.2005.

Und so sieht sie aus.

:: Bürgerversammlung

Am 29.11.2005 fand in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer eine Bürgerversammlung im "Haus der Architekten" statt, zu der sich ca. 50 Personen eingefunden haben. Darunter auch Hr. Trommler, Leiter des Denkmalamtes, und Hr. de Wit, 2. Geschäftsführer von Karstadt Dresden. Die AGCW stellte mittels einer Präsentation Geschichte und Wert der beiden Häuser vor. Außerdem wurde über das geplante Vorhaben informiert und Möglichkeiten der Einflussnahme angesprochen. Schließlich war die Runde frei für eine sehr angeregte, aber friedliche Diskussion des Projekts.